Das NDR 1 Radio Niedersachsen zun Besuch
Am Samstag den 30. Juli 2005 war das NDR1 Radio Niedersachsen zu Besuch.
Eva Werler vom Norddeutschen Rundfunk beim Interview über den Wellensittich ( 200 Jahre Wellensittich)

Sendetermin 11. September 2005 im Radio Niedersachsen
(Größe =2.3MB)
Carsten Daume und Eva Werler (NDR) beim Interview im Zuchtraum
200 Jahre Wellensittiche: Happy birthday, Hansi!

Im Jahre 1805 wurde er in der australischen Wildnis entdeckt: der Wellensittich. Seitdem
erfreut er in aller Welt bei Millionen Menschen als Hausgenosse mit seinem natürlichen Charme.

Mai 2005 Vor 200 Jahren waren Reisen durch die australische Wildnis noch größere Abenteuer als heute. Getrieben von seiner Neugier auf die exotische Tierwelt des fünften Kontinents, durchstreifte der englische Naturkundler George Shaw das Land, in dem allerlei seltsame Tiere zuhause sind. Eines Tages im Jahr 1805 entdeckte er eine 18 Zentimeter große und ständig zwitschernde, grüne Papageienart mit einer gewellten, schwarz-gelben Kopf- und Flügelzeichnung. Aufgrund ihres Erscheinungsbildes und Verhaltens gab Shaw den dieser Vogelart den wissenschaftlichen Namen Melopsittacus undulatus, was auf Deutsch "gewellter Singpapagei" heißt.

Fast 30 Jahre später, im Jahr 1835, gelangten die ersten Bälger (tote Exemplare) der Wellensittiche nach England, Naturforscher hatten sie von ihren Reisen mitgebracht. Es vergingen einige weitere Jahre, bis der englische Vogelmaler und Forscher John Gould das erste lebende Wellensittichpärchen in seine Heimat brachte. Kurz darauf, im Jahre 1850, kamen die ersten Wellensittiche nach Deutschland.

Tier- und Naturschutz waren zu jener Zeit noch kein großes Thema. Wellensittiche wurden zuhauf in der Natur gefangen und per Schiff nach Europa gebracht. Die mehrere Monate langen, entbehrungsreichen Schiffsreisen brachten unzähligen Wellensittichen den Tod. In Europa wuchs die Nachfrage immer mehr, aber viele der damals sehr teuren Wildfänge starben am Zielort nach kurzer Zeit (unter anderem aufgrund der Strapazen der langen Reise), weshalb erste Zuchtbemühungen gestartet wurden. Für Deutschland sind die ersten Nachzuchterfolge für das Jahr 1855 verbrieft.

Kunterbunte Vogelschar

In der Natur kommt es bei Vögeln immer wieder zu spontanen Farbmutationen, allerdings fallen anders gefärbte Individuen ihren Fressfeinden besonders auf und sterben daher in aller Regel recht früh. Dies gilt vor allem für Tiere wie den Wellensittich, der in seiner australischen Heimat in riesigen Schwärmen von bis zu mehreren Tausend Individuen lebt. Farbmutationen konnten sich bis zum heutigen Tag bei den wild lebenden Wellensittichen nicht durchsetzen, die Nominatform (so bezeichnet man die Urform einer Vogelart) ist nach wie vor grün mit schwarz-gelbem Wellenmuster.

Da in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln durch Fressfeinde normalerweise keine Gefahr droht, konnten Individuen, bei denen sich spontane Farbmutationen eingestellt haben, überleben. So gelang es mit der Zeit, an die 100 verschiedene so genannte Farbschläge bei den Wellensittichen durch geschickte Verpaarung zu erlangen.

So bunt die Vögel auch sein mögen, niemals sind jedoch Wellensittiche mit roten oder rötlichen Federn gezüchtet worden, denn dies ist nicht möglich. Im genetischen Bauplan der Wellensittiche ist kein roter Gefiederfarbstoff vorgesehen. Die Farbpalette der heutigen Ziervögel umfasst die Farben Schwarz, Weiß, Gelb, Grün, Blau, Mauve, Oliv, Braun und Grau in verschiedenen Nuancen und Mischformen, sodass beispielsweise auch Türkis als Mischung aus Gelb und Blau vorkommt. Zudem sind unterschiedliche Gefiederzeichnungen entstanden, Züchter sprechen hier beispielsweise von Gesäumten, Lacewings oder Opalin-Vögeln. Sogar Haubenwellensittiche brachten die Bemühungen der Züchter hervor.

Gefiederte Riesen

Zwar empfinden die meisten Vogelfreunde Wellensittiche als von Natur aus schön, den Briten waren die kleinen Papageien aber trotz der in Gefangenschaft erzielten Farbvariationen des Gefieders nicht schön genug. Ein künstliches Schönheitsideal wurde festgesetzt, dem die auf der Insel gezüchteten Vögel entsprechen sollten - der "Standardsittich" war geboren.

Standardwellensittiche, die im englischen Sprachraum als "English Budgies" bezeichnet werden, sind deutlich größer als die Wildform, sie können im Extremfall bis zu 23 Zentimeter Körpergröße erreichen. Ihr Kopfgefieder ist sehr buschig, sodass die Augen aus bestimmten Perspektiven nicht zu sehen sind. Außerdem tragen sie erheblich mehr Kehltupfen (dunkle Punkte auf den Federn unterhalb des Schnabels) als ihre australischen Vorfahren, bei ihnen zieren nur sechs kleine, schwarze Punkte das Gesicht, siehe Abbildung untern:

Charmante Hausgenossen

In den 1980er Jahren waren Wellensittiche in Deutschland als Haustiere sehr beliebt. Damals kauften Schätzungen zufolge etwa 800.000 Menschen pro Jahr (mindestens) einen Wellensittich. Inzwischen sei die Zahl deutlich niedriger, sie beliefe sich nur noch auf jährlich etwa 200.000 Käufer, berichtete kürzlich Klaus Oechsner, der Präsident des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe.

Die Zahl der Vogelkäufe mag zwar drastisch gesunken sein, trotzdem fristen noch immer unvorstellbar viele "Hansis" und "Bubis", so lauten zwei der beliebtesten Namen in Deutschland (siehe Statistik der Wellensittichnamen) ein jämmerliches, wenig artgerechtes Dasein als Einzeltiere. Leider hat sich trotz diverser Aufklärungsaktionen gegen die Einzelhaltung von Wellensittichen noch nicht die Erkenntnis durchgesetzt, dass diese sehr sozialen Schwarmvögel mindestens einen Artgenossen als Gesellschaft benötigen, um sich richtig wohl zu fühlen und nicht zu vereinsamen.

Text Quelle: Birds-Online unter www.birds-online.de